Physik – Interesse am Studium
Inhaltsverzeichnis
- von der Fakultät
- Ist Physik ein schwerer Studiengang? Muss man dabei viel Mathe machen?
- Was unterscheidet die Heidelberger Physikfakultät von anderen?
- Soll ich mir in der Freizeit zwischen Abitur/Zivi/Bund und dem Studienbeginn schon mal ein wenig Stoff anlesen?
- Brauche ich bestimmte Bücher für das Studium, die ich jetzt schonmal kaufen und lesen könnte?
- Ich habe gehört, dass die Frauenquote in der Physik sehr niedrig sei. Muss ich als Frau befürchten, die einzige weibliche Person im Hörsaal zu sein?
- Und ganz zum Schluß: Was ist eigentlich die "Gute Seite der Macht"? Die Mathematik oder die Physik?
von der Fakultät
Vorneweg: Falls Du ganz konkrete Fragen zum Aufbau des Studiums hast findest Du einige Antworten auf den Seiten der Fakultät. Besonders präzise sind dabei die Modulhandbücher mit den verschieden Modellstudienplänen.
Ist Physik ein schwerer Studiengang? Muss man dabei viel Mathe machen?
Die zweite Frage ist einfacher zu beantworten: Ja. Physik
ist zur Hälfte angewandte Mathematik (wobei "angewandt" nicht
heißen muss, das dabei diskrete Zahlenwerte errechnet
werden). Die drei "Schwestern" Mathematik, Physik und
Philosophie wurden über Jahrtausende hinweg als eine
gemeinsame Disziplin angesehen und haben sich erst vor - auf
diesen Maßstäben - kurzer Zeit getrennt. Dennoch ähneln sich
ihre Fragestellungen immer noch sehr (Welche Begriffe sind
geeignet, bestimmte Strukturen beschreiben und besser
verstehen zu können? Welche logischen Implikationen ergeben
sich aus vorgegebenen Sachverhalten?). Mathematik ist das
wichtigste Werkzeug der Physikerin und des Physikers. Wer
keinen Spaß an Mathematik hat, wird sich im Physikstudium
sehr schwer tun.
Damit sind wir bei der ersten Frage: Sicher ist das
Physikstudium schwer. Aber schwer in einer anderen Art als
etwa ein Medizin- oder Biologiestudium: Gegenüber diesen
Fächern ist das reine Stoffvolumen deutlich geringer. Dafür
sind fast alle Gebiete sehr eng miteinander verzahnt und
müssen sehr viel tiefer verstanden werden, um sie nutzen zu
können. Vor einer Prüfung kann das typische Lernverfahren
darin bestehen, etwa ein, zwei Stunden am Tag ein Buch zu
lesen und den Stoff dann den Rest des Tages kontemplierend im
Kopf hin- und herzubewegen, bis man ihn fest umgriffen hat.
Daher ist die hilfreichste Charaktereigenschaft in diesem
Studium, sich völlig in einem Problem festbeißen zu können
und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen.
Vermutlich auch deshalb sind die Abbrecherquoten in den
ersten Semestern (etwa 50%) sehr viel höher als die
Durchfallquoten (etwa 20%). Viele merken, dass dieses Fach,
auch wenn sie die Klausuren bestehen, nichts für sie ist.
Anders als in anderen Fächern wird einem dass aber sehr früh
klar: In höheren Semestern sind die Abbrecherquoten
verschwindend gering. Und ein, zwei Semester sind durchaus
eine Zeitspanne, die man sich gönnen kann, um sich darüber
klar zu werden, womit man den Rest seines Lebens verbringen
möchte.
Was unterscheidet die Heidelberger Physikfakultät von anderen?
Gar nicht so viel: Sie ist die größte Deutschlands. Deshalb auch die erste, die ein Auswahlverfahren für Studienanfänger eingeführt hat, weil sie sich von den Erstsemestern erdrückt fühlte. Über die Qualität der Lehre oder des Studiums in Heidelberg sagt das nicht viel aus (sondern eher über den Effekt von Mundpropaganda und den "Unirankings" auf Bewerberzahlen). In Folge der schieren Größe gibt es hier sehr viele unterschiedliche Arbeitsgruppen, in denen sich für höhere Semester Möglichkeiten für HiWi-Jobs, Praktika und Abschlussarbeiten ergeben. Für den Studienanfänger sollte das aber kein Entscheidungskriterium sein. Selbst, wenn Du schon bestimmte Fachrichtungen im Auge hast, ist die Chance groß, dass sich das während des Studiums ändert. Deshalb ist es auch nicht so wichtig, zu wissen, dass die Forschungsschwerpunkte in Heidelberg unter anderem in (auch theoretischer) Hochenergie- und Festkörper-, Atom- und Biophysik liegen. Fangt lieber ein Studium in der Stadt an, die Euch am besten gefällt.
Mit dem Studienführer Physik haben Physik-Fachschaften der deutschsprachigen Hochschulen versucht eine Übersicht über die verschiedenen Studienorte zu erstellen.
Soll ich mir in der Freizeit zwischen Abitur/FSJ und dem Studienbeginn schon mal ein wenig Stoff anlesen?
Wenn es dich in den Fingern juckt, warum nicht? Nötig ist es aber sicherlich nicht. Wahrscheinlich hast Du mehr davon, die Freizeit zu genießen. So schnell kommt die nämlich nicht wieder.
Brauche ich bestimmte Bücher für das Studium, die ich jetzt schonmal kaufen und lesen könnte?
Zumindest keine, die man so einfach empfehlen könnte. Es gibt eine riesige Auswahl an Büchern über den "kanonischen" (also "Standard-") Stoff der Physik. Sie unterscheiden sich sehr im Stil: Vom "Bilderbuch" mit hunderten von Anwendungsbeispielen bis hin zu sehr abstrakten, eher theoretischen Büchern ohne eine einzige Modellrechnung. Wenn Du unbedingt schon was lesen möchtest kannst Du dir in einer größeren Bücherei ein Buch suchen, dass dir gefällt. Genauso solltest Du es auch nach Studienbeginn halten: Alle Standardwerke werden in der Uni-Bibliothek mehrfach vorrätig gehalten. Erst probelesen, dann kaufen. Die Dinger sind nämlich teilweise sehr teuer.
Ich habe gehört, dass die Frauenquote in der Physik sehr niedrig sei. Muss ich als Frau befürchten, die einzige weibliche Person im Hörsaal zu sein?
Leider ist der Frauenanteil in der Physik immer noch
niedriger als in anderen Naturwissenschaften. So schlimm wie
in den technischen Studiengängen ist es aber nicht. Ich habe
trotz längerer Suche keine Statistik über
Geschlechterverteilungen in der Heidelberger Physik gefunden,
schätze aber die Frauenquote in den größeren Vorlesungen (nur
hier kann man mit akzeptablem Fehler schätzen) auf etwa
25-30%. Das von über 50 ordentlichen Professoren in
Heidelberg nur 2 weiblich sind ist hoffentlich ein Zustand
von begrenzter Dauer. Die Gleichstellungskommission
der Fakultät gibt sich große Mühe, Studentinnen zu
unterstützen und, keine Sorge, die meisten Physikstudenten
sind eher das Gegenteil von Machos. Also, Frauen dieser Welt,
traut Euch! Dass
Frauen genau so gute
Physikerinnen
sein können
spricht
sich langsam
herum…
Man munkelt sogar, dass frau es als Physikerin bis zur
Bundeskanzlerin schaffen kann.
Und ganz zum Schluß: Was ist eigentlich die "Gute Seite der Macht"? Die Mathematik oder die Physik?
Selbstversändlich Physik. Während Mathematiker nur mit ihrem eigenen Geist spielen dürfen, haben Physiker sich nicht nur vor der Logik, sondern auch vor der allmächtigen Natur, vor dem Universum in seiner Gesamtheit und Ewigkeit zu rechtfertigen. Mathematiker mögen geistige Gebäude schaffen, die ein paar Tausend, vielleicht zehntausend Jahre Bestand haben. Physik hingegen beschäftigt sich mit der Schönheit des Kosmos über alle räumlichen und zeitlichen Distanzen und Größenordnungen. Der Mathematiker, der jetzt beginnt, von unserer Welt als Spezialfall eines normierten Vektorraumes zu faseln, hat entgültig den Blick verloren, für den Glanz der Welt um uns herum. Physik gibt uns die Chance die Geheimnisse der Welt "staunend zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen" (Einstein). Nur der kann Mathematik über Physik stellen, der nicht (mehr) im Stande ist, sich vor dem brüllenden Wind demütig zu verneigen, angesichts eines Sonnenuntergangs in Tränen auszubrechen oder sich, in einer duftenden Frühlingswiese liegend, dem Nirvana entgegen zu sehnen.
"All science is either physics or stamp collecting." (Ernest Rutherford)
Weitere Fragen?
Wenn ihr noch Fragen habt, die hier nicht beantwortet wurden, schreibt an fachschaft@mathphys.fsk.uni-heidelberg.de. Da am anderen Ende auch nur eine Gruppe Studis sitzt, reicht ein „Du“ übrigens vollkommen aus.