Interesse am Physikstudium

Inhalt

von der Fakultät

Vorneweg: Falls Du ganz konkrete Fragen zum Aufbau des Studiums hast findest Du einige Antworten auf den Seiten der Fakultät. Besonders präzise sind dabei die Modulhandbücher mit den verschieden Modellstudienplänen.

Ist Physik ein schwerer Studiengang? Muss man dabei viel Mathe machen?

Die zweite Frage ist einfacher zu beantworten: Ja. Physik ist zur Hälfte angewandte Mathematik (wobei „angewandt“ nicht heißen muss, das dabei diskrete Zahlenwerte errechnet werden). Die drei „Schwestern“ Mathematik, Physik und Philosophie wurden über Jahrtausende hinweg als eine gemeinsame Disziplin angesehen und haben sich erst vor – auf diesen Maßstäben – kurzer Zeit getrennt. Dennoch ähneln sich ihre Fragestellungen immer noch sehr (Welche Begriffe sind geeignet, bestimmte Strukturen beschreiben und besser verstehen zu können? Welche logischen Implikationen ergeben sich aus vorgegebenen Sachverhalten?). Mathematik ist das wichtigste Werkzeug der Physikerin und des Physikers. Wer keinen Spaß an Mathematik hat, wird sich im Physikstudium sehr schwer tun.
Damit sind wir bei der ersten Frage: Sicher ist das Physikstudium schwer. Aber schwer in einer anderen Art als etwa ein Medizin- oder Biologiestudium: Gegenüber diesen Fächern ist das reine Stoffvolumen deutlich geringer. Dafür sind fast alle Gebiete sehr eng miteinander verzahnt und müssen sehr viel tiefer verstanden werden, um sie nutzen zu können. Vor einer Prüfung kann das typische Lernverfahren darin bestehen, etwa ein, zwei Stunden am Tag ein Buch zu lesen und den Stoff dann den Rest des Tages kontemplierend im Kopf hin- und herzubewegen, bis man ihn fest umgriffen hat. Daher ist die hilfreichste Charaktereigenschaft in diesem Studium, sich völlig in einem Problem festbeißen zu können und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Vermutlich auch deshalb sind die Abbrecherquoten in den ersten Semestern (etwa 50%) sehr viel höher als die Durchfallquoten (etwa 20%). Viele merken, dass dieses Fach, auch wenn sie die Klausuren bestehen, nichts für sie ist. Anders als in anderen Fächern wird einem dass aber sehr früh klar: In höheren Semestern sind die Abbrecherquoten verschwindend gering. Und ein, zwei Semester sind durchaus eine Zeitspanne, die man sich gönnen kann, um sich darüber klar zu werden, womit man den Rest seines Lebens verbringen möchte.

Was unterscheidet die Heidelberger Physikfakultät von anderen?

Gar nicht so viel: Sie ist die größte Deutschlands. Deshalb auch die erste, die ein Auswahlverfahren für Studienanfänger eingeführt hat, weil sie sich von den Erstsemestern erdrückt fühlte. Über die Qualität der Lehre oder des Studiums in Heidelberg sagt das nicht viel aus (sondern eher über den Effekt von Mundpropaganda und den „Unirankings“ auf Bewerberzahlen). In Folge der schieren Größe gibt es hier sehr viele unterschiedliche Arbeitsgruppen, in denen sich für höhere Semester Möglichkeiten für HiWi-Jobs, Praktika und Abschlussarbeiten ergeben. Für den Studienanfänger sollte das aber kein Entscheidungskriterium sein. Selbst, wenn Du schon bestimmte Fachrichtungen im Auge hast, ist die Chance groß, dass sich das während des Studiums ändert. Deshalb ist es auch nicht so wichtig, zu wissen, dass die Forschungsschwerpunkte in Heidelberg unter anderem in (auch theoretischer) Hochenergie- und Festkörper-, Atom- und Biophysik liegen. Fangt lieber ein Studium in der Stadt an, die Euch am besten gefällt.

Logo Studienführer Physik

Mit dem Studienführer Physik haben Physik-Fachschaften der deutschsprachigen Hochschulen versucht eine Übersicht über die verschiedenen Studienorte zu erstellen.

 

Ich habe bis zu meinem Studienbeginn noch etwas Zeit. Wie bereite ich mich am Besten auf das Physikstudium vor?

Wenn es dich in den Fingern juckt, warum nicht? Nötig ist es aber sicherlich nicht. Wahrscheinlich hast Du mehr davon, die Freizeit zu genießen. So schnell kommt die nämlich nicht wieder.

Brauche ich bestimmte Bücher für das Studium, die ich jetzt schonmal kaufen und lesen könnte?

Zumindest keine, die man so einfach empfehlen könnte. Es gibt eine riesige Auswahl an Büchern über den kanonischen (also „Standard-“) Stoff der Physik. Sie unterscheiden sich sehr im Stil: Vom „Bilderbuch“ mit hunderten von Anwendungsbeispielen bis hin zu sehr abstrakten, eher theoretischen Büchern ohne eine einzige Modellrechnung. Wenn Du unbedingt schon was lesen möchtest kannst Du dir in einer größeren Bücherei ein Buch suchen, dass dir gefällt. Genauso solltest Du es auch nach Studienbeginn halten: Alle Standardwerke werden in der Uni-Bibliothek mehrfach vorrätig gehalten. Erst probelesen, dann kaufen. Die Dinger sind nämlich teilweise sehr teuer.

Ich habe gehört, dass die Frauenquote in der Physik sehr niedrig sei. Muss ich als Frau befürchten, die einzige weibliche Person im Hörsaal zu sein?

Leider ist der Frauenanteil in der Physik immer noch niedriger als in anderen Naturwissenschaften. So schlimm wie in den technischen Studiengängen ist es aber nicht. Ich habe trotz längerer Suche keine Statistik über Geschlechterverteilungen in der Heidelberger Physik gefunden, schätze aber die Frauenquote in den größeren Vorlesungen (nur hier kann man mit akzeptablem Fehler schätzen) auf etwa 25-30%. Das von über 50 ordentlichen Professoren in Heidelberg nur 2 weiblich sind ist hoffentlich ein Zustand von begrenzter Dauer. Die Gleichstellungskommission der Fakultät gibt sich große Mühe, Studentinnen zu unterstützen und, keine Sorge, die meisten Physikstudenten sind eher das Gegenteil von Machos. Also, Frauen dieser Welt, traut Euch! Dass Frauen genau so gute Physikerinnen sein können spricht sich langsam herum
Man munkelt sogar, dass frau es als Physikerin bis zur Bundeskanzlerin schaffen kann.

Und ganz zum Schluß: Was ist eigentlich die „Gute Seite der Macht“? Die Mathematik oder die Physik?

Selbstversändlich Physik. Während Mathematiker nur mit ihrem eigenen Geist spielen dürfen, haben Physiker sich nicht nur vor der Logik, sondern auch vor der allmächtigen Natur, vor dem Universum in seiner Gesamtheit und Ewigkeit zu rechtfertigen. Mathematiker mögen geistige Gebäude schaffen, die ein paar Tausend, vielleicht zehntausend Jahre Bestand haben. Physik hingegen beschäftigt sich mit der Schönheit des Kosmos über alle räumlichen und zeitlichen Distanzen und Größenordnungen. Der Mathematiker, der jetzt beginnt, von unserer Welt als Spezialfall eines normierten Vektorraumes zu faseln, hat entgültig den Blick verloren, für den Glanz der Welt um uns herum. Physik gibt uns die Chance die Geheimnisse der Welt „staunend zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen“ (Einstein). Nur der kann Mathematik über Physik stellen, der nicht (mehr) im Stande ist, sich vor dem brüllenden Wind demütig zu verneigen, angesichts eines Sonnenuntergangs in Tränen auszubrechen oder sich, in einer duftenden Frühlingswiese liegend, dem Nirvana entgegen zu sehnen.

All science is either physics or stamp collecting. (Ernest Rutherford)

Weitere Fragen?

Wenn ihr noch Fragen habt, die hier nicht beantwortet wurden, schreibt an fachschaft@mathphys.fsk.uni-heidelberg.de. Da am anderen Ende auch nur eine Gruppe Studis sitzt, reicht ein „Du“ übrigens vollkommen aus.